Überblick
Perlon ist der 1938 vom Chemiker Paul Schlack bei der IG Farben geprägte Markenname für die erste deutsche Polyamid-6-Synthetikfaser - das deutsche Gegenstück zum wenig zuvor entwickelten amerikanischen Nylon. Ursprünglich für Textilfasern entwickelt, vor allem für Strümpfe und Fallschirme, ist Perlon bis heute eine aktiv eingetragene Marke. Chemisch handelt es sich jedoch um nichts anderes als Polyamid 6 (PA 6) - denselben teilkristallinen technischen Thermoplast, den wir bei Liedtke bereits als technisches Halbzeug (Platten, Rundstäbe) unter der Bezeichnung PA 6 führen.
Charakteristisch für Perlon/PA 6 sind hohe Zähigkeit, Schlag- und Abriebfestigkeit, sehr gute Gleiteigenschaften sowie eine ausgeprägte Schall- und Schwingungsdämpfung. Wie bei allen Polyamiden erhöht die Feuchtigkeitsaufnahme die Zähigkeit, senkt aber Steifigkeit und Härte und verändert die Maße. Gegenüber unserem gelisteten Guss-Polyamid PA 6 G (z. B. Ertalon) handelt es sich bei Perlon/PA 6 um extrudiertes Material - wirtschaftlicher, jedoch mit etwas höheren inneren Spannungen bei großen Querschnitten.
Perlon/PA 6 lohnt sich, wenn Zähigkeit, Verschleißfestigkeit und gute Gleiteigenschaften bei moderatem Preis gefragt sind - etwa bei hoch belasteten Gleitlagern, Buchsen, Zahnrädern und Laufrollen, stoß- und schlagbeanspruchten Teilen, schall- und schwingungsdämpfenden Bauteilen sowie in der Lebensmittelverarbeitung (Fleisch-, Fisch- und Geflügelverarbeitung, Back- und Süßwaren; lebensmittelechte Sorten verfügbar).
Technische Kennwerte
| Eigenschaft | Wert | Prüfnorm |
|---|---|---|
| Allgemeine Eigenschaften | ||
| Dichte | 1,14 g/cm³ | DIN EN ISO 1183-1 |
| Feuchtigkeitsaufnahme | 3,0 % | DIN EN ISO 62 |
| Brennverhalten (3 mm / 6 mm) | HB / HB | UL 94 |
| Mechanische Eigenschaften | ||
| Streckspannung | 80 MPa | DIN EN ISO 527 |
| Reißdehnung | 50 % | DIN EN ISO 527 |
| E-Modul | 3200 MPa | DIN EN ISO 527 |
| Kerbschlagzähigkeit | 3 kJ/m² | DIN EN ISO 179 |
| Shore Härte | 82 scale D | DIN EN ISO 868 |
| Thermische Eigenschaften | ||
| Schmelztemperatur | 220 °C | ISO 11357-3 |
| Wärmeleitfähigkeit | 0,23 W/(m·K) | DIN 52612-1 |
| Wärmekapazität | 1,70 kJ/(kg·K) | DIN 52612 |
| Linearer Ausdehnungskoeffizient | 90 · 10⁻⁶/K | DIN 53752 |
| Einsatztemperatur langfristig | -40 … 85 °C | Mittelwert |
| Einsatztemperatur kurzzeitig (max.) | 160 °C | Mittelwert |
| Wärmeformbeständigkeit | 75 °C | DIN EN ISO 75, Verf. A, HDT |
| Elektrische Eigenschaften | ||
| Dielektrizitätszahl | 3,9 | IEC 60250 |
| Dielektrischer Verlustfaktor (50 Hz) | 0,02 | IEC 60250 |
| Durchgangswiderstand | 10¹⁵ Ω·cm | DIN EN 62631-3-1 |
| Oberflächenwiderstand | 10¹³ Ω | DIN EN 62631-3-2 |
| Durchschlagfestigkeit | 20 kV/mm | IEC 60243 |
Häufige Fragen zu Perlon PA6
1Was ist Perlon PA6?+
Perlon ist der 1938 vom Chemiker Paul Schlack bei der IG Farben geprägte, bis heute aktiv eingetragene Markenname für die erste deutsche Polyamid-6-Synthetikfaser - das deutsche Gegenstück zum amerikanischen Nylon. Chemisch handelt es sich um Polyamid 6 (PA 6), denselben teilkristallinen technischen Thermoplast, der bei Liedtke auch als PA 6 im Halbzeugbereich geführt wird.
2Wie wird Perlon PA6 bei Liedtke bearbeitet?+
PA 6 lässt sich gut spanend bearbeiten - Drehen, Fräsen, Bohren und Sägen gelingen sauber, mit guter Oberflächengüte. Wegen der Feuchtigkeitsaufnahme und der vergleichsweise hohen Wärmedehnung berücksichtigen wir bei engen Toleranzen das Quell- und Schwindverhalten und konditionieren das Halbzeug bei Bedarf.
3Was bestimmt den Preis eines Perlon-PA6-Teils?+
PA 6 gehört zu den wirtschaftlichen technischen Kunststoffen; Halbzeugpreise (Natur-Rundstab/Platte) liegen als grobe Orientierung im Bereich von etwa 5-15 €/kg. Den Bauteilpreis bestimmen vor allem Sorte, Halbzeugform und -abmessung, Materialausnutzung, Zerspanungsaufwand und Losgröße. Verbindliche Preise nennen wir gern auf Anfrage anhand Ihrer Zeichnung.
4Wann ist Perlon PA6 nicht die richtige Wahl?+
Bei höchster Maßhaltigkeit in wechselnder Feuchte ist POM oft die bessere Wahl. Für Dauerkontakt mit heißem Wasser/Dampf oder starken Säuren, Dauereinsatz über ca. 85-100 °C oder sehr hohe Chemikalien- bzw. Temperaturanforderungen sind PVDF, PPS oder PEEK geeigneter.
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