Was ist PVDF?
PVDF (Polyvinylidenfluorid) – teilkristalliner Hochleistungs-Fluorkunststoff, hochrein und chemikalienbeständig
Technische Kennwerte
| Eigenschaft | Wert | Prüfnorm |
|---|---|---|
| Allgemeine Eigenschaften | ||
| Dichte | 1,78 g/cm³ | DIN EN ISO 1183-1 |
| Feuchtigkeitsaufnahme | 0,0 % | DIN EN ISO 62 |
| Brennverhalten (Dicke 3 mm / 6 mm) | V0/V0 | UL 94 |
| Mechanische Eigenschaften | ||
| Streckspannung | 55 MPa | DIN EN ISO 527 |
| Reißdehnung | 30 % | DIN EN ISO 527 |
| E-Modul | 2100 MPa | DIN EN ISO 527 |
| Kerbschlagzähigkeit | 12 kJ/m² | DIN EN ISO 179 |
| Shore Härte | 80 scale D | DIN EN ISO 868 |
| Thermische Eigenschaften | ||
| Schmelztemperatur | 178 °C | ISO 11357-3 |
| Wärmeleitfähigkeit | 0,2 W/(m·K) | DIN 52612-1 |
| Wärmekapazität | 1,20 kJ/(kg·K) | DIN 52612 |
| Linearer Ausdehnungskoeffizient | 140 ·10⁻⁶/K | DIN 53752 |
| Einsatztemperatur langfristig | -20 bis 140 °C | Average |
| Einsatztemperatur kurzzeitig (max.) | 150 °C | Average |
| Wärmeformbeständigkeit | 115 °C | DIN EN ISO 75, Verf. A, HDT |
| Elektrische Eigenschaften | ||
| Dielektrizitätszahl | 9 | IEC 60250 |
| Dielektrischer Verlustfaktor (50 Hz) | 0,02 | IEC 60250 |
| Durchgangswiderstand | 10^14 Ω·cm | DIN EN 62631-3-1 |
| Oberflächenwiderstand | 10^14 Ω | DIN EN 62631-3-2 |
| Vergleichszahl der Kriechwegbildung | 600 | IEC 60112 |
| Durchschlagfestigkeit | 21 kV/mm | IEC 60243 |
PVDF im Detail
1Was ist PVDF?+
PVDF gehört zur Gruppe der Fluorkunststoffe – also Polymeren, deren Kohlenstoffkette teilweise mit Fluoratomen besetzt ist. Diese Fluor-Kohlenstoff-Bindungen sind extrem stabil und verleihen PVDF seine hohe chemische und thermische Beständigkeit. Anders als das noch beständigere, aber nicht spanend-schweißbare PTFE lässt sich PVDF hervorragend zerspanen, schweißen und thermoformen. Es ist steif, fest, formstabil und nimmt praktisch keine Feuchtigkeit auf.
2Wie wird PVDF bei Liedtke bearbeitet?+
PVDF lässt sich sehr gut spanend bearbeiten – Drehen, Fräsen, Bohren und Sägen gelingen sauber und maßhaltig. Da PVDF kaum Feuchtigkeit aufnimmt, sind die Bauteile maßstabil; auf ausreichende Kühlung und angepasste Schnittwerte achten wir, um Wärmestau zu vermeiden. So fertigen wir zuverlässig Präzisionsteile für Chemie, Halbleiter und Reinraum – von der Einzelanfertigung bis zur Serienteilfertigung.
3Wann sollte ich PVDF wählen?+
PVDF lohnt sich immer dann, wenn Chemikalienbeständigkeit und Reinheit mit guter Bearbeitbarkeit kombiniert werden müssen – zum Beispiel:
- Bauteile für den chemischen Anlagenbau (Pumpen, Ventile, Fittings, Rohre)
- Komponenten der Halbleiterindustrie und Reinraumtechnik (Wet Bench, Front-End)
- Bauteile mit Kontakt zu aggressiven Medien und ultrareinen Flüssigkeiten
- Anwendungen mit Anforderung an Witterungs- und UV-Beständigkeit im Freien
- Bauteile, die schwer entflammbar sein müssen, ohne Flammschutzadditive
4Was bestimmt den Preis eines PVDF-Teils?+
PVDF ist ein Hochleistungskunststoff und liegt preislich deutlich über technischen Standardkunststoffen wie POM oder PA, aber unter PTFE und PEEK. Als grobe Orientierung liegen Halbzeugpreise im Bereich von etwa 20–45 €/kg. Den Bauteilpreis bestimmen vor allem Halbzeugform und -abmessung, Materialausnutzung (Verschnitt), Zerspanungsaufwand und Losgröße. Verbindliche Preise nennen wir gern auf Anfrage anhand Ihrer Zeichnung.
5Wann ist PVDF nicht die richtige Wahl?+
Ebenso wichtig sind die Grenzen des Werkstoffs:
- Kontakt mit starken Basen (Laugen) und Aminen – hier wird PVDF angegriffen
- Dauereinsatz über etwa 140 °C – dann kommen PTFE oder PEEK infrage
- Anwendungen mit sehr engem Budget – Standardkunststoffe wie POM oder PA sind deutlich günstiger
- Wenn ausschließlich höchste Chemikalienbeständigkeit ohne Zerspanung/Schweißen gefragt ist – dann PTFE
6Vorteile und Nachteile von PVDF+
Eine ehrliche Abwägung – und wie sich die Nachteile in der Praxis abfedern lassen: Vorteile:
Nachteile:
Praxis-Tipp: PVDF spielt seine Stärken überall dort aus, wo aggressive Medien und Reinheit zusammentreffen – etwa in der Halbleiterfertigung oder im chemischen Anlagenbau. Wird noch höhere Chemikalien- oder Temperaturbeständigkeit gefordert, empfehlen wir PTFE oder PEEK; für einfache technische Bauteile ohne Medienangriff sind POM oder PA wirtschaftlicher.
- Herausragende Chemikalienbeständigkeit (nach PTFE die beste)
- Hohe Reinheit – ideal für Halbleiter und Reinraum
- Von Natur aus schwer entflammbar (UL 94 V-0), ohne Additive
- Gut spanbar, schweißbar und thermoformbar
- Witterungs- und UV-beständig, hohe Dauergebrauchstemperatur
- Nicht beständig gegen starke Basen (Laugen) und Amine
- Höherer Preis als technische Standardkunststoffe
- Dauereinsatz auf etwa 140 °C begrenzt
- Verbrennungsprodukte enthalten Fluorwasserstoff – Brandschutz beachten
Typische Eigenschaften
- Hohe Reinheit
- Hohe Biegewechselfestigkeit
- Hohe Steifigkeit
- Hohe Kälteschlagfestigkeit
- Gute Schweißbarkeit
- Hohe Dauergebrauchstemperatur
- Elektrisch isolierend
- Chemikalienbeständig
- Gute Thermoformbarkeit
- Gute Witterungsbeständigkeit
Typische Industrien
- Chemischer Anlagenbau
- Reinraumtechnik
- Elektronik
- Maschinen- und Anlagenbau
- Lebensmittelindustrie
- Halbleiterindustrie
- Semiconductor Front-End-Anwendungen
- Semiconductor Wet Bench
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