Liedtke Kunststofftechnik
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Fluorpolymer

PVDF bearbeiten und zerspanen

Fluorpolymer mit hoher Chemikalienbeständigkeit, UL 94 V-0 und guter Festigkeit. Für Chemie-, Halbleiter- und Reinstmedientechnik.

Überblick

Was ist PVDF?

PVDF (Polyvinylidenfluorid) – teilkristalliner Hochleistungs-Fluorkunststoff, hochrein und chemikalienbeständig

Handelsnamen: PVDF, Kynar®, Solef®, Symalit®, Dyflor®
Dichte1,78 g/cm³Streckspannung55 MPaEinsatztemperatur-20 bis 140 °C
Datenblatt

Technische Kennwerte

Typische Mittelwerte für unverstärktes Material natur, abgesichert durch statistische Prüfungen nach DIN EN 15860. Keine rechtlich verbindliche Zusicherung bestimmter Eigenschaften. Tatsächliche Werte können je nach Halbzeug, Sorte und Kristallisationsgrad abweichen.
EigenschaftWertPrüfnorm
Allgemeine Eigenschaften
Dichte1,78 g/cm³DIN EN ISO 1183-1
Feuchtigkeitsaufnahme0,0 %DIN EN ISO 62
Brennverhalten (Dicke 3 mm / 6 mm)V0/V0UL 94
Mechanische Eigenschaften
Streckspannung55 MPaDIN EN ISO 527
Reißdehnung30 %DIN EN ISO 527
E-Modul2100 MPaDIN EN ISO 527
Kerbschlagzähigkeit12 kJ/m²DIN EN ISO 179
Shore Härte80 scale DDIN EN ISO 868
Thermische Eigenschaften
Schmelztemperatur178 °CISO 11357-3
Wärmeleitfähigkeit0,2 W/(m·K)DIN 52612-1
Wärmekapazität1,20 kJ/(kg·K)DIN 52612
Linearer Ausdehnungskoeffizient140 ·10⁻⁶/KDIN 53752
Einsatztemperatur langfristig-20 bis 140 °CAverage
Einsatztemperatur kurzzeitig (max.)150 °CAverage
Wärmeformbeständigkeit115 °CDIN EN ISO 75, Verf. A, HDT
Elektrische Eigenschaften
Dielektrizitätszahl9IEC 60250
Dielektrischer Verlustfaktor (50 Hz)0,02IEC 60250
Durchgangswiderstand10^14 Ω·cmDIN EN 62631-3-1
Oberflächenwiderstand10^14 ΩDIN EN 62631-3-2
Vergleichszahl der Kriechwegbildung600IEC 60112
Durchschlagfestigkeit21 kV/mmIEC 60243
Häufige Fragen

PVDF im Detail

1Was ist PVDF?+

PVDF gehört zur Gruppe der Fluorkunststoffe – also Polymeren, deren Kohlenstoffkette teilweise mit Fluoratomen besetzt ist. Diese Fluor-Kohlenstoff-Bindungen sind extrem stabil und verleihen PVDF seine hohe chemische und thermische Beständigkeit. Anders als das noch beständigere, aber nicht spanend-schweißbare PTFE lässt sich PVDF hervorragend zerspanen, schweißen und thermoformen. Es ist steif, fest, formstabil und nimmt praktisch keine Feuchtigkeit auf.

2Wie wird PVDF bei Liedtke bearbeitet?+

PVDF lässt sich sehr gut spanend bearbeiten – Drehen, Fräsen, Bohren und Sägen gelingen sauber und maßhaltig. Da PVDF kaum Feuchtigkeit aufnimmt, sind die Bauteile maßstabil; auf ausreichende Kühlung und angepasste Schnittwerte achten wir, um Wärmestau zu vermeiden. So fertigen wir zuverlässig Präzisionsteile für Chemie, Halbleiter und Reinraum – von der Einzelanfertigung bis zur Serienteilfertigung.

3Wann sollte ich PVDF wählen?+

PVDF lohnt sich immer dann, wenn Chemikalienbeständigkeit und Reinheit mit guter Bearbeitbarkeit kombiniert werden müssen – zum Beispiel:

  • Bauteile für den chemischen Anlagenbau (Pumpen, Ventile, Fittings, Rohre)
  • Komponenten der Halbleiterindustrie und Reinraumtechnik (Wet Bench, Front-End)
  • Bauteile mit Kontakt zu aggressiven Medien und ultrareinen Flüssigkeiten
  • Anwendungen mit Anforderung an Witterungs- und UV-Beständigkeit im Freien
  • Bauteile, die schwer entflammbar sein müssen, ohne Flammschutzadditive
4Was bestimmt den Preis eines PVDF-Teils?+

PVDF ist ein Hochleistungskunststoff und liegt preislich deutlich über technischen Standardkunststoffen wie POM oder PA, aber unter PTFE und PEEK. Als grobe Orientierung liegen Halbzeugpreise im Bereich von etwa 20–45 €/kg. Den Bauteilpreis bestimmen vor allem Halbzeugform und -abmessung, Materialausnutzung (Verschnitt), Zerspanungsaufwand und Losgröße. Verbindliche Preise nennen wir gern auf Anfrage anhand Ihrer Zeichnung.

5Wann ist PVDF nicht die richtige Wahl?+

Ebenso wichtig sind die Grenzen des Werkstoffs:

  • Kontakt mit starken Basen (Laugen) und Aminen – hier wird PVDF angegriffen
  • Dauereinsatz über etwa 140 °C – dann kommen PTFE oder PEEK infrage
  • Anwendungen mit sehr engem Budget – Standardkunststoffe wie POM oder PA sind deutlich günstiger
  • Wenn ausschließlich höchste Chemikalienbeständigkeit ohne Zerspanung/Schweißen gefragt ist – dann PTFE
6Vorteile und Nachteile von PVDF+

Eine ehrliche Abwägung – und wie sich die Nachteile in der Praxis abfedern lassen: Vorteile:

Nachteile:

Praxis-Tipp: PVDF spielt seine Stärken überall dort aus, wo aggressive Medien und Reinheit zusammentreffen – etwa in der Halbleiterfertigung oder im chemischen Anlagenbau. Wird noch höhere Chemikalien- oder Temperaturbeständigkeit gefordert, empfehlen wir PTFE oder PEEK; für einfache technische Bauteile ohne Medienangriff sind POM oder PA wirtschaftlicher.

  • Herausragende Chemikalienbeständigkeit (nach PTFE die beste)
  • Hohe Reinheit – ideal für Halbleiter und Reinraum
  • Von Natur aus schwer entflammbar (UL 94 V-0), ohne Additive
  • Gut spanbar, schweißbar und thermoformbar
  • Witterungs- und UV-beständig, hohe Dauergebrauchstemperatur
  • Nicht beständig gegen starke Basen (Laugen) und Amine
  • Höherer Preis als technische Standardkunststoffe
  • Dauereinsatz auf etwa 140 °C begrenzt
  • Verbrennungsprodukte enthalten Fluorwasserstoff – Brandschutz beachten

Typische Eigenschaften

  • Hohe Reinheit
  • Hohe Biegewechselfestigkeit
  • Hohe Steifigkeit
  • Hohe Kälteschlagfestigkeit
  • Gute Schweißbarkeit
  • Hohe Dauergebrauchstemperatur
  • Elektrisch isolierend
  • Chemikalienbeständig
  • Gute Thermoformbarkeit
  • Gute Witterungsbeständigkeit

Typische Industrien

  • Chemischer Anlagenbau
  • Reinraumtechnik
  • Elektronik
  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Lebensmittelindustrie
  • Halbleiterindustrie
  • Semiconductor Front-End-Anwendungen
  • Semiconductor Wet Bench
Datenblätter · Konformität

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